Frankfurter Winterreise II

18. Dezember 2011, 15:30 Uhr

Ort: Evangelische Matthäuskirche Frankfurt am Main

Friedrich Ebert Anlage 33
60327 Frankfurt a. M.

 

Schwerpunkt: Geschichten wohnungsloser und sozial ausgegrenzter Frauen aus Frankfurt

Mit Hansi Jochmann, Georgette Dee & Terry Truck

Schirmherrschaft: Oberbürgermeisterin Petra Roth

 

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Frankfurter Wintereise - mit Frauenschicksalen - Plakat

Eine Veranstaltung der Evangelischen Hoffnungsgemeinde und des Diakonischen Werks Frankfurt. Eintritt frei. Spenden für die Wohnungslosenhilfe erbeten.

Projekt in Bildern

Interview mit dem Projektinitiator der Frankfurter Winterreise

Die Sicht auf sozial ausgegrenzte Menschen nachhaltig verändern


„Frankfurter Winterreise" lautet der Titel einer ungewöhnlichen Veranstaltung am Sonntag, dem 18. Dezember 2011 um 15 Uhr 30 in der Matthäuskirche, Friedrich Ebert Anlage 33. Das gemeinsame Projekt von Evangelischer Hoffnungsgemeinde und Diakonischem Werk für Frankfurt am Main bringt Schuberts Winterreise in Verbindung mit Geschichten von wohnsitzlosen Frauen. Bekannte Künstler wie Hansi Jochmann, Georgette Dee und Terry Truck engagieren sich dafür. Ein Gespräch mit dem Projektinitiator - dem Journalisten und Sozialpädagogen Stefan Weiller


Herr Weiller, was ist die Besonderheit an wohnungslosen und sozial ausgegrenzten Frauen?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass der Frauenanteil unter den wohnungslosen Menschen bei 25 Prozent liegt. Selbstverständlich gibt es auch bei Frauen den geradezu klassischen Weg in die Wohnungslosigkeit; der führt oft über Jobverlust, Trennung oder Tod des Partners, psychische Krankheit und Sucht. Wohnungslosigkeit bleibt bei Frauen aber häufig verdeckt und tritt erst spät zutage. Viele Frauen flüchten sich in unsichere Wohnverhältnisse, in denen sie keine Rechte an der Wohnung haben und jederzeit vor die Tür gesetzt werden können. Manche Frau prostituiert sich, um der Wohnungslosigkeit zu entgehen. Mitunter fliehen Frauen aufgrund von häuslicher Gewalt aus ihrer Beziehung und Wohnung. Wir begegnen in diesen Erlebnissen auch einem Rede-Tabu: Gewalt in Ehe und Beziehung. Noch immer erdulden viele Frauen ihre Situation und trauen sich nicht, Hilfe zu suchen. Diese Ursachen von Wohnungslosigkeit treten bei den Frauen, mit denen ich gesprochen habe, erschreckend häufig auf.

 

Können sie ein konkretes Beispiel nennen?

Mir berichtete eine Frau, die derzeit in einer Einrichtung des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main lebt, dass sie von ihrem Partner ständig vergewaltigt wurde. Sie hat diese Erlebnisse so sehr verdrängt, dass sie erst im sechsten Monat ihre Schwangerschaft bemerkte. Erst dann wurde ihr klar, was in ihrem Leben passiert und dass es auf der Straße nicht schlimmer sein könnte, als in dieser Beziehung. In Frankfurt finden sich viele solcher Beispiele. Häufig schämen sich die Frauen für Ihre Erfahrungen und suchen die Schuld bei sich.

 

Sagen Sie uns bitte ein Wort zu den Künstlerinnen und Künstlern der „Frankfurter Winterreise"

Wir haben das ganz große Glück, dass die bekannte Schauspielerin und Sprecherin Hansi Jochmann extra aus Berlin anreist, um den Erfahrungen der Frauen aus Frankfurt ihre Stimme zu geben. Frau Jochmann ist aus vielen Fernsehrollen, unter anderem im ZDF, und als Synchronstimme von Jodie Foster einem großen Publikum bekannt. Sie verzichtet für den Auftritt auf Honorar. Ein Glücksfall ist auch die Beteiligung von Georgette Dee und Terry Truck. Diese beiden wunderbaren Musiker werden einige Schubert-Lieder neu und mutig interpretieren. Hinzu kommt ein tolles Ensemble, das sich rund um das bundesweit laufende Projekt Deutsche Winterreise gebildet hat. Das künstlerische Niveau ist sehr hoch, und der soziale Anspruch auch.

 

Warum haben Sie sich gewünscht, dass das Projekt in der Hoffnungsgemeinde aufgeführt wird?

Die Hoffnungsgemeinde ist im wahrsten Sinn des Wortes eine der spannendsten Gemeinden der Stadt. Sie lebt in der Spannung des Hauptbahnhofes mit all seinen Herausforderungen, des Westends mit seinen hohen Mieten und den Bankentürmen und die Gemeinde wird im Westen beim Eingang zur Messe von einem Straßenstrich eingerahmt. Glanz und Elend, Armut und Reichtum, Teilhabe und Ausgrenzung – in dieser Gemeinde treffen Welten aufeinander. Die Frankfurter Winterreise will sie verbinden – und das wird geschehen, wenn viele Menschen zur Aufführung kommen und sich einlassen, auf das, was in dieser Stadt an Sorgen und Kummer erlebt wird. Der Eintritt ist frei und wer kann, ist herzlich aufgefordert, die wichtige Arbeit des Zentrums für Frauen des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main sowie der Kaffestube der Hoffnungsgemeinde mit Spenden zu unterstützen. Das schönste wäre eine nachhaltig veränderte Sicht auf sozial ausgegrenzte Menschen. Vielleicht gelingt es dem Projekt, Solidarität und Verständnis zu fördern. Und dass diese Frankfurter Winterreise mitten in die Weihnachtszeit hineindonnert, ist kein Zufall, sondern ein Auftrag, suchenden Menschen eine Herberge, ja mehr noch, eine Heimat zu geben.

Hessische Winterreise

Die Frankfurter Winterreise ist Teil des Projekts "Hessische Winterreise"

Weitere Aufführungsorte (jeweils mit neuen Texten):

Darmstadt

Langen

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Kunstprojekte von Stefan Weiller

Seit Projektstart 2009 wurden für die Deutsche Winterreise 397  Menschen jeweils einzeln in 29 Städten interviewt.

Info Stefan Weiller

www.stiftung-winterreise.de

Aufführungen im Überblick:

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