Die schöne Müllerin

Sonntag, 22. Januar 2017

Doppelprojekt "Die schöne Müllerin" und "Frankfurter Winterreise"

Heliggeistkirche, Frankfurt am Main, Beginn 16 Uhr

Eintritt frei. Spenden für die Wohnungslosenhilfe Diakonie Frankfurt

www.die-schoene-muellerin.com

Manche Menschen geraten nach Trennung, Scheidung oder Tod des Partners in soziale Not. Dieses Phänomen greift Projektkünstler Stefan Weiller in seiner Interpretation des Schubert-Liederzyklus’ “Die Schöne Müllerin” auf. "Die schöne Müllerin" erzählt die Vorgeschichte zur Winterreise, die Weiller seit 2009 in einzigartigen Aufführungen durch deutschsprachige Städte trägt: www.deutsche-winterreise.de

 

Im Projekt "Die schöne Müllerin" setzt sich Weiller künstlerisch mit unerfüllter Liebe auseinander. Wie schon bei der Deutschen Winterreise stehen aber sozial benachteiligte Menschen im Zentrum; ihre Geschichten von Liebe und ihrem Scheitern, oder vergeblichen Hoffen werden im Projekt nacherzählt.

 

An der Vorbereitung und Uraufführung dieses Projekts sind wohnungslose, flüchtende und sozial benachteiligte Menschen und viele Künstler und Kunstformen beteiligt.

 

Erzählt werden Geschichten und Lieder von – wie es bei Dichter Wilhelm Müller heißt – “Liebe, Leid und Sorgen” – zart, schön, bitter, bewegend und manchmal auch verzweifelt. Dieses Projekt unterscheidet sich stilistisch von der Deutschen Winterreise , die den Schubert-Liederzyklus Winterreise mit dunklen Lebensstationen wohnungsloser Menschen in Beziehung bringt. “Die Schöne Müllerin” wird, wie schon die Deutsche Winterreise, an vielen Orten jeweils neu erarbeitet werden – und zum Archiv besonderer Liebesgeschichten werden.

 

Alle Texte werden in freier Nacherzählung von Autort Stefan Weiller geschrieben. Motive aus Weillers Interview-Recherche in sozialen Einrichtungen dienen als Vorlage. Es handelt sich nie um O-Töne, Zitate der Interviewten. Die Interviews werden niemals elektronisch aufgezeichnet oder schriftlich protokolliert. Es handelt sich ausschließlich um Texte des Autors Weiller.

 

www.die-schoene-muellerin.com

 

bisherige Aufführungen in der Übersicht

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Stuttgart

Stuttgart 2017

Frankfurt

Januar 2017

Hamburg

November 2015

Berlin

November 2014

Hintergründe

Entstehung von Wohnungslosigkeit

Nicht bewältigte Trennung, Scheidung, oder der Tod des Partners sind mögliche Auslöser für die Entstehung von Wohnungslosigkeit. Armut und soziale Ausgrenzung sind Hauptursachen für die Entstehung von Wohnungslosigkeit. Überschuldung, Langzeitarbeitslosigkeit, gewaltgeprägte Lebensumstände, soziale Isolation und Sucht- oder psychische Erkrankungen sind weitere Problemlagen, die zu Wohnungslosigkeit führen können. Erschwerend hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungsprozesse und Wohnraumverknappung vor allem in den Städten.

Zielsetzung

Die schöne Müllerin in der Bearbeitung von Stefan Weiller ein Kunstwerk und versteht sich als Musiktheaterstückt.

 

Darüber hinaus ist es ein dokumentarisches Projekt mit sozialem Anspruch. Das Schicksal wohnungsloser Menschen steht im Zentrum. Das Projekt ist mit Beteiligung von wohnungslosen Menschen über einen Zeitraum von über zwei Jahren entstanden. Mit dem Projekt soll um Solidarität und Hilfe für sozial ausgegrenzte Menschen geworben werden.

Das Projekt widmet sich der Liebe, die nicht zwischen Herkunft, Alter, sozialem Status oder Nationalität unterscheidet, sondern alle Menschen verbindet. Im Projekt geht es entsprechend nicht um „Wohnungslose“, sondern um Menschen. Der Eintritt zum Projekt bleibt frei, damit kulturelle Teilhabe für alle Menschen möglich ist.

 

Das Projekt will das Phänomen Wohnungslosigkeit keineswegs auf private Aspekte zurückziehen, oder von der sozialen Verantwortung des Einzelnen und der Gesellschaft ablenken. Vielmehr geht es mit der Konzentration auf Liebesgeschichten um etwas, das alle Menschen eint: Liebe und die Sehnsucht nach Liebe. Es geht um Nähe und Gemeinschaft mit Menschen, die sich allzu oft auf ihren sozialen Status als Wohnungslose reduziert sehen. Das Projekt zeigt die Anfechtung, der jeder Mensch ausgesetzt ist, denn wer liebt macht sich verletzbar. Wer aber nicht liebt, trägt schon eine tiefe Wunde.

 

Warum geben prominente Künstler den Geschichten ihre Stimme?

Der überwiegende Teil der wohnungslosen und von sozialer Ausgrenzung betroffenen Gesprächspartner, die in Interviews ihre Lebenserfahrungen für das Projekt erzählen, legt größten Wert auf Anonymität.

Nur unter dieser Bedingung erzählten sie frei und offen in einem geschützten Rahmen ihre Geschichte - wünschen aber zugleich, dass ihre Lebenserfahrung in das Projekt einfließt, um damit Klischees von Obdachlosigkeit entgegenzuwirken.

Die interviewten Menschen - etwa Frauen, die infolge von Vergewaltigung und Häuslicher Gewalt auf die Straße flüchteten - möchten nicht mit ihrer Lebensgeschichte vor die Kamera, mit ihrem Gesicht oder ihrem Namen an die Öffentlichkeit oder auf eine Bühne treten. Diese Menschen in ein sozialpädagogisches Mitmachtheater einzubinden und ihre Geschichte nachspielen zu lassen, wäre ethisch problematisch - und vor allem würden es die allermeisten Menschen aus den genannten Gründen nicht wollen.

 

Die Geschichten müssen gehört werden. Sie sind wichtig. Damit die Berichte von hoher gesellschaftlicher Relevanz erzählt werden können, braucht es Schauspieler, die mit Gespür und Können die Erlebnisse in einen würdigen Ausdruck bringen - und zugleich die von den allermeisten Gesprächspartnern gewünschte Anonymität garantieren.


Warum werden die Liebesgeschichten mit dem Schubert-Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ verbunden?

In den 20 Liedern aus „Die schöne Müllerin“ (1821 erschienenen in „Sieben und siebzig nachgelassene Gedichten aus den Papieren eines reisenden Waldhornisten“) zeichnete Dichter Wilhelm Müller die unerfüllte Liebe eines Menschen nach und findet dafür berührende  Sprachbilder, die bis heute gültig und nachvollziehbar sind. Franz Schubert fasste die Texte in ewige Musik. Die Würde dieser 190 Jahre alten Texte und Musik verbindet sich schlüssig mit den zeitgemäßen Texten, die Autor Stefan Weiller auf Grundlage von Interviews mit wohnungslosen Menschen für das Projekt „Die schöne Müllerin - von unerfüllter Liebe wohnungsloser Menschen in Berlin“ verfasste. Zum Schutz der Menschen, die für das Projekt ihre Geschichte erzählten, werden alle Texte ohne Namen und ohne persönliche Daten bleiben.

 

Mit dem Projekt „Die schöne Müllerin – von unerfüllter Liebe wohnungsloser Menschen in Berlin“ erzählt Weiller die Vorgeschichte zur „Deutschen Winterreise“. Im Vergleich zum Projekt „Deutsche Winterreise“, das dunkle Moment im Leben wohnungsloser Menschen abbildete, ist das neue dokumentarische Theaterprojekt über weite Strecken licht und heiter, ohne die Bedrohung und Anfechtung auszublenden.

 

Während im Liederzyklus “Die schöne Müllerin“ vor allem der Müllergeselle im Zentrum der Betrachtung steht, rückt Weiller die Frauenfigur der Müllerin ins Zentrum. Auch wenn im Berliner Projekt die Lieder nicht mehr einzig die Gefühlwelt eines Menschen, sondern vieler unterschiedler Menschen wiederspiegeln, so bleibt das innere Band des Zyklus doch erhalten, denn immer geht es nur um das eine: Liebe!

 

Die Erzählweise unterscheidet sich deutlich vom Projekt „Deutsche Winterreise“. Der Zyklus wird mit Video, mehreren Sängern und Instrumenten und in verschiedenen Stilen interpretiert.

 

„Die schöne Müllerin - von unerfüllter Liebe wohnungsloser Menschen in Berlin“ ist der Auftakt dieses Projekts, das – ähnlich wie Weillers Projekt „Deutsche Winterreise“ – in Neubearbeitungen durch deutschsprachige Städte ziehen wird.

 

www.deutsche-winterreise.de

Fernsehbericht ZDF über Die Schöne Müllerin in Berlin

Liebe


„Liebe“ ins Zentrum der Begegnung mit dem Thema Wohnungslosigkeit zu stellen, ist anhand der Schilderungen von wohnungslosen Menschen naheliegend, denn viele Menschen geben das Scheitern ihrer Beziehung aus auslösenden Faktor ihrer sozialen Not an, aber dennoch ist dieser Schwerpunkt ungewöhnlich. Liebe ist der Motor und das Ziel menschlichen Handelns, Nächstenliebe ist grundlegend für das Zusammenleben einer Gesellschaft. Jeder will geliebt werden und jeder will lieben. Beziehungslosigkeit erleiden viele Menschen, die auf der Straße leben. „Für Liebe ist auf der Straße kein Platz“, so die Aussage einer wohnungslosen Frau aus Berlin.

Geschichten über Liebe von wohnungslosen Menschen aus Berlin werden in eine lyrische Form gebracht und von Schauspielern aufgeführt. Dies wird verbunden mit dem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert. Wohnungslose Menschen – in diesem Projekt sind es vor allem Frauen – werden direkt an der Entstehung beteiligt, zugleich wird diesen Menschen der Schutzraum der Anonymität eröffnet, da ihre Geschichten auf Wunsch ohne Namen nacherzählt werden.
Damit wird neben dem Fachpublikum ein Kreis breiterer, kulturell interessierter Öffentlichkeit erreicht und auf eine innovative Weise auf die Themen Armut und Wohnungslosigkeit hingewiesen. Die Wahrnehmung der Themen Wohnungslosigkeit und soziale Not werden verändert, indem das Thema Liebe und die Sehnsucht danach, die alle Menschen eint, in den Mittelpunkt gestellt wird. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und auf die Arbeit der Wohnungslosenhilfe aufmerksam zu machen. Der Eintritt ist frei, damit auch von Armut betroffene und wohnungslose Menschen die Veranstaltung besuchen und somit am kulturellen Leben teilhaben können.
Ganz gezielt wird für dieses Projekt eine Kirche als Veranstaltungsort gewählt; die Kirche wird als Raum der Begegnung und Ort für alle Gefühle und Gebete betont, in dem jeder Mensch gleichermaßen willkommen ist. Damit wird nochmals der soziale, verbindende Charakter des Projekts verdeutlicht.

Die Gründe, die Menschen in die Obdachlosigkeit führen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Immer ist dieser Weg mit einer sehr persönlichen Geschichten und oft mit vielen Faktoren verbunden: Arbeitslosigkeit, soziale Not, Beziehungslosigkeit, Krankheit, Depression, psychische Probleme –um nur einige zu nennen. Das Projekt Deutsche Winterreise, das diese vielen Faktoren aufzeigt, ließ anhand des hohen Publikumszuspruchs und der ausgezeichneten Resonanz, die die Aufführungen verzeichnen, erkennen, dass das Interesse an den Ursprüngen und am Verstehen von Obdachlosigkeit groß ist.
Mit dem Kunstprojekt „Die schöne Müllerin“ wird ein bedeutender Aspekt von Entstehung persönlicher Not betrachtet und sensibel in einem neuen Kunstprojekt aufgegriffen.

 

Hauptziel des Projekts
ist es, einer breiteren Öffentlichkeit Einblicke in die Lebenswelt wohnungsloser Menschen zu geben, um Vorurteile abzubauen und die Situation sozial ausgegrenzter Menschen zu verbessern.

 

Weitere Ziele des Projekts
sind, wohnungslosen Menschen eine Stimme zu geben, Stigmatisierung und Ausgrenzung wohnungsloser Menschen zu bekämpfen, Gesellschaft, Politik und Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, auf die Arbeit der mitwirkenden Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und auf die Berliner Kältehilfe aufmerksam zu machen, das Selbstbild der Wohnungslosenhilfe zu stärken und Spenden für die Wohnungslosenhilfe einzuwerben.

Das Projekt fördert Frauen in besonderem Maße, indem der Anteil der Texte bei der Veranstaltung nicht wie üblich dem Frauenanteil in der Wohnungslosenhilfe entspricht (1/4), sondern voraussichtlich zwei Drittel. Gegebenenfalls. werden zwei Frauen und ein Mann als Erzähler eingesetzt, um den Schwerpunkt besonders deutlich zu machen. Außerdem werden in die Projektvorbereitung auch Jugendliche und junge Erwachsene einbezogen, die in der Vergangenheit Erfahrung mit Wohnungslosigkeit und sozialer Not machen mussten. Menschliche Beziehung herzustellen und für gegenseitigen Respekt und Anerkennung zu werben, ist das Hauptanliegen der Veranstaltung.
Mit neuen, respektvollen Fragestellungen können neue Lösungsansätze für einen liebevolleren Umgang miteinander gefördert werden. Wie wichtig dies gerade im Umfeld der Wohnungslosenhilfe ist, zeigt sich in manchen Vorbehalten und Anfechtungen, denen sich wohnungslose Menschen immer noch in Teilen der Gesellschaft ausgesetzt sehen.

  • Das sozio-kulturelle Projekt setzt sich ein für verbesserte Wahrnehmung sozial benachteiligter Menschen und für ein solidarisches, respektvolle Miteinander.
  • Das Projekt setzt sich ein für kulturelle Teilhabe.
  • Das Projekt ist eine Brücke zwischen sozialer Arbeit, Kunst und Kultur.
  • Das Projekt gibt wohnungslosen Menschen eine Stimme und beteiligt sie an der Entstehung eines einmaligen Kunstwerks.
  • Das Projekt weitet den Blick für die Frage nach Werten, für soziale Zusammenhänge und soziale Notlagen

Nächste Aufführungen:

Freitag, 12. Mai 2017 in Stuttgart

Die schöne Müllerin - von unerfüllter Liebe

alle Termine auf der Seite "Kalender"

Kunstprojekte von Stefan Weiller

Seit Projektstart 2009 wurden für die Deutsche Winterreise 397  Menschen jeweils einzeln in 29 Städten interviewt.

Info Stefan Weiller

www.stiftung-winterreise.de

Aufführungen im Überblick:

Sämtliche hier veröffentlichten und wiedergegebenen Texte aus den Kunstprojekten von Stefan Weiller sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis des Autors in keiner Form zitiert oder wiedergegeben werden.

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