Schöne Müllerin Stuttgart

Aufführung für die Diakonie Baden-Württemberg

Schöne Müllerin in Stuttgart

Freitag, 12. Mai 2017 um 19 Uhr

Leonhardskirche

Stuttgart

 

im Rahmen der Ausstellung "Kunst trotz(t) Armut"

Kunstprojekt über unglückliche Liebe wohnungsloser Menschen „Die schöne Müllerin“ erzählt am 12. Mai 2017 über sozial benachteiligte Menschen

Stuttgart. Wohl alle Menschen sehnen sich danach, geliebt zu werden und lieben zu dürfen. Aber was geschieht, wenn die Liebe unerfüllt bleibt, abrupt endet oder langsam scheitert? Manche Menschen geraten dann in soziale Not. Dieses Phänomen greift der Projektkünstler Stefan Weiller in seiner Interpretation von Schuberts Liederzyklus „Die Schöne Müllerin” auf. Das Kunstprojekt über die unerfüllte Liebe wohnungsloser Menschen wird am Freitag, 12. Mai, um 19 Uhr in der Leonhardskirche, Leonhardsplatz 26, aufgeführt. Es ist Teil des Begleitprogramms der Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Armut“. Der Eintritt zu dem Abend ist frei.

An der Aufführung des Projekts sind viele Künstler und Kunstformen beteiligt: Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ wird mit Video, mehreren Sängern, Sprechern und Instrumenten sowie in verschiedenen Stilen interpretiert.

 

Im Zentrum des Stücks stehen sozial benachteiligte Menschen; ihre Geschichten von Liebe und deren Scheitern oder von vergeblichem Hoffen werden nacherzählt. Als Vorlage dienen Weillers Interview-Recherchen in sozialen Einrichtungen. Das Kunstprojekt ändert sich je nach Aufführungsort, auch für die Aufführung in Stuttgart wurden sozial benachteiligte Bewohner der Stadt interviewt. Sie sehen sich sonst oft auf ihren sozialen Status als Wohnungslose reduziert – Weiller beleuchtet in seinem Stück andere Aspekte ihres Lebens. Damit ihre Geschichten erzählt werden können, wurde den Interviewten zugesichert, dass sie sich nicht selbst auf die Bühne stellen müssen und auch ihre Stimmen nicht zu hören sind. Deshalb werden alle Texte in freier Nacherzählung anonymisiert wiedergegeben und von renommierten Schauspielerin gesprochen.

 

Bei der Konzentration auf Liebesgeschichten geht es um etwas, das alle Menschen eint – unabhängig von Herkunft, Alter, sozialem Status oder Nationalität: Liebe und die Sehnsucht danach. Die Geschichten und Lieder von „Liebe, Leid und Sorgen” sind zart, schön, bitter, bewegend – und manchmal auch verzweifelt.

 

Für das Projekt traf Weiller auch von Armut und Wohnungslosigkeit betroffene Menschen aus Stuttgart, das verleiht dem Abend zusätzliche Berührung und regionale Relevanz.

Da ist etwa die Begegnung mit dem jungen Mann, der an Stuttgart schon die Kessellage liebt, weil sie ihm das Gefühl des Behütetseins vermittelt, wenngleich derzeit nur geografisch, denn sozial steht er ziemlich allein im Sturm seines Lebens; ihm fehlte etwa das Geld, um zum Osterfest zu seinen Kindern zu fahren: circa 15 Euro, die der obdachlose Vater gerade nicht hat. Und seine Ex-Frau, deren Motive zur Trennung er zu verstehen sucht, wäre von seinem Besuch vielleicht ohnehin nicht besonders begeistert.

Ein älterer Mann schildert das Problem, dass sein Fernseher kaputt ist. Jetzt redet keiner mehr mit ihm in seinem 12 Quadratmeterzimmer in einem Männerwohnheim. Seine ganze Liebe gehört der Malerei, aber er kann nur kleine Formate bemalen, weil sein Lebensraum so eingeschränkt ist. Manchmal fehlt ihm eine Farbe und er muss ein paar Wochen warten, bis er genug Geld angespart hat (von seinem Hartz IV), ehe er sich wieder eine Tube Rot leisten kann. Rot gehört nicht in den Regelsatz.

Und dann gibt es noch die Erzählung der Frau, die sich aus Liebe und Geldnot prostituierte; oder von dem Mann, der sich seit Jahren übern den Tod seines Partners nicht fassen kann – dies und vieles mehr an Erlebnissen und Schicksal wird in diesem Projekt mit den alten Liedern von Franz Schubert nacherzählt. Es ist verblüffend, wie die Liedtexte von Dichter Wilhelm Müller sich mit den Erlebnissen heutiger Menschen verbinden – und zu einem großen, bewegenden Ganzen werden. Liebe und Sehnsucht sind ewig – Not und Verzweiflung wohl auch.

Das Künstlerensemble ist hochkarätig. Zentraler Erzähler des Abends ist Helmut Krauss, der als Synchronstimme von Marlon Brando bekannt ist oder als Nachbar Paschulke in der Sendung Löwenzahn jung und alt vor dem Fernseher begeistert. Der deutsch-schwedische Schauspieler Andreas Grötzinger spielt im Ensemble des Deutschen Schauspielhaus‘ Hamburg und ist in vielen Fernsehproduktionen und sogar in einer Rolle in einem Lars von Trier Film zu sehen. Birgitta Assheuer ist eine viel beschäftigte Leserin bekannter Hörbücher.

Tenor Theodore Browne steht auf dem Sprung zur großen Gesangskarriere und hat – ebenso wie Mezzosopranistin Nohad Becker, Videokünstler Ralf Kopp oder Pianist Hedayet Djeddikar – zahlreiche renommierte Preise gewonnen.

Das Ensemble, zu dem auch der Kircheimer Kammerchor unter der Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach gehört, wird auf hohem Niveau ein dokumentarisches Konzerterlebnis schaffen, das eng mit Stuttgart und den Menschen der Region verbunden ist. Die Aufführung der „Stuttgarter Schönen Müllerin“ wird es in dieser Form nie wieder geben.

Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause.

 

Die Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Armut“ des Bundesfachverbandes Existenzsicherung und Teilhabe sowie der Diakonie Deutschland soll der Armut trotzen in einem reichen Land. Sie ist in Stuttgart vom 5. Mai bis zum 1. Juni 2017 im Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus sowie in der Leonhardskirche zu sehen. Schirmherr ist Sozialbürgermeister Werner Wölfle. In der Ausstellung hängen Kunstwerke namhafter Künstler gleichberechtigt neben Arbeiten von Betroffenen, die sich künstlerisch betätigen, darunter auch vier Künstler aus Stuttgart. Die Ausstellung wird ergänzt von einem Begleitprogramm mit Begegnungen, Gesprächen, Theater, Kabarett, Konzerten sowie zwei in Stuttgart entstandenen Ausstellungen. Veranstaltet werden die Ausstellungen und das Begleitprogramm von den diakonischen Trägern der Wohnungsnotfallhilfe in Stuttgart, dem Sozialunternehmen Neue Arbeit, dem Kreativprojekt AMOS, dem Diakoniepfarramt Stuttgart und der Diakonie Württemberg. Mehr dazu steht unter www.kunst-trotzt-armut.de.

Nächste Aufführungen:

Sonntag, 2. Juli 2017 in Mühlacker

Letzte Lieder "... und die Welt steht still..."

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Kunstprojekte von Stefan Weiller

Seit Projektstart 2009 wurden für die Deutsche Winterreise 397  Menschen jeweils einzeln in 29 Städten interviewt.

Info Stefan Weiller

www.stiftung-winterreise.de

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