Wiegenlieder - Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf

Geschichten aus Frauenhäusern treffen in einem durchkomponierten Nachtstück auf Schlaf- und Wiegenlieder

Konzept, Texte (auf Grundlage von Interviews): Stefan Weiller

Das Projekt Wiegenlieder kann auch in anderen Städten realisiert werden. Kontakt

Impressionen Frankfurter Wiegenlieder

Lichtinstallation Ralf Kopp

Beispiel: Wiesbadener Wiegenlieder
Von der Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf
Lieder, Texte und sieben ruhelose Frauengeschichten aus Wiesbaden

Hintergrund:
Sorgen halten Menschen wach. Die Sehnsucht nach Ruhe und Erholung ist in der Zeit der Sorge am tiefsten.  In extremen Situationen leiden viele Menschen an Unruhe und Schlaflosigkeit, die ihre Situation und ihr Lebensgefühl zusätzlich beeinträchtigt. Bei Besuchen und Gesprächen im Haus für Frauen in Not wird deutlich, dass Frauen, die alleine oder mit Kindern aus einer häuslichen Gewaltsituation geflohen sind, oft viele Nächte lang wach liegen und grübeln, zweifeln, hadern. Es ist eine Mischung aus Angst vor der Zukunft und schmerzlicher Erinnerungen der Vergangenheit, die zu den durchwachten Nächten führt. Hinzu kommt, dass auch die ungewohnte Umgebung, die fremden Geräusche und die große Anhäufung anderer Schicksale von Mitbewohnerinnen das Haus und seine Bewohnerinnen nicht recht zur Ruhe kommen lassen. Das Frauenhaus ist eine Zwischenstation auf halber Strecke und zunächst nur ein Symbol für die Ankunft, denn noch leben die Menschen im Haus – trotz intensiver Hilfen und Unterstützung – in Ungewissheiten. Nirgendwo scheint die Sehnsucht nach erholsamem, Vergessen und Ruhe bringendem Schlaf tiefer als in einem Frauenhaus. Wenn hier, wie es oft geschieht, den Kindern Lieder zum Einschlafen vorgesungen werden, dann klingt in diesen Liedern auch ein bitterer Ton, ja sogar Angst und Ungewissheit mit. Die Verletzungen an Körper und Seele sind lange nicht überwunden und so klingt jedes im Frauenhaus gesungene Schlaf- und Wiegenlied auch wie ein Versprechen auf eine bessere Zeit.
Diese Spannung will das Projekt „Wiesbadener Wiegenlieder“ an einem Abend aufgreifen und mit möglichst vielen Besucherinnen und Besuchern symbolisch teilen. Über Monate hinweg führte Projektinitiator Stefan Weiller vom Diakonischen Werk Wiesbaden Gespräche mit Frauen aus dem Frauenhaus, bei denen es immer wieder um ein Thema ging: Schlaflosigkeit und die Gründe für das Ausbleiben ruhiger Nächte. Nachts kommen in diesem Haus Dämonen der Erinnerung an das Erlittene. Zweifel, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Zukunftsangst, Hass, Angst, Wut, Sehnsucht, Einsamkeit, Trauer, Frustration – die Spanne der Nachtgedanken und Gefühle ist groß.  Zu den Schlaf- und Wiegenliedern gesellen sich bei der Veranstaltung „Wiesbadener Wiegenlieder“ auch die Geschichten der Frauen aus dem Haus für Frauen in Not. Erweitert werden diese Elemente mit Liedern voller Unruhe und voller Sehnsucht nach dem Schlaf  - und auch nach des Schlafes Bruder, denn auch solche Gedanken sind manchen Frauen in Extremsituationen nicht fremd. 

Bei diesem sozio-kulturellen Projekt geht es um die Vermittlung von schwierigen, sogar tabuisierten gesellschaftlichen Themen. Die Wiegenlieder sollen sozial integrierend wirken und Bewusstsein herstellen für unterschiedliche Problemlagen; die unzureichende Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen ist eines von vielen Themen, die in den Wiegenlieder-Aufführungen angesprochen werden. Das Projekt will in der Verbindung aus Sozialarbeit und Kunst Fragen stellen und Aufmerksamkeit schaffen. Frauen aus Frauenhäusern sollen einerseits geschützt bleiben und zugleich dennoch einen Weg finden, ihre Probleme und Sorgen zu artikulieren - und gehört zu werden.

Das Bild zum Wiegenlieder-Projekt wurde von Fotografin Lena Obst gestaltet.

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Kunstprojekte von Stefan Weiller

Für die Deutsche Winterreise hat Stefan Weiller von 2008 bis 2018 in 32 Städten zahlreiche obdachlose Frauen und Männer getroffen.

Info Stefan Weiller

www.stiftung-winterreise.de

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